Von Gustav REINGRABNER
Vor einigen Jahren gab es eine gewisse Aufregung rund um die Kirche von Schöngrabern in der Nähe von Hollabrunn. Eine Kunsthistorikerin behauptete, dass der Schmuck dieses Bauwerks, das immer als besonders schönes Beispiel der Romanik in Österreich gegolten hat, in Wirklichkeit aus dem 16. Jahrhundert stamme. Als eine von mehreren Begründungen, die da vorgelegt wurden, wurde eine Ritzzeichnung an einer Wand der Kirche angeführt, die einen Teufel darstellt. Und da meinte man, dass das ein Hinweis auf jene Familie der Teufel sei, die im 16. Jahrhundert in der Umgebung begütert gewesen seien. Die kunsthistorische Debatte hat diese Meinung von der Entstehung der Skulpturen an der Außenstelle der Apsis von Schöngrabern in der Zwischenzeit so gut wie widerlegt, geblieben ist aber für manchen der Hinweis auf die evangelische Familie der Teufel.
Dabei war diese ursprünglich gar nicht in der Nähe von Hollabrunn begütert. Sie hatten ihren Freihof bei Wiener Neustadt und erreichten gegen Ende des 15. Jahrhunderts einen gewissen Aufstieg, der dann 1563 zur Erhebung in den Freiherrenstand führte. Sie waren mit zwei benachbarten adeligen Familien mehrfach verwandt und verschwägert, die gleichfalls durch den Dienst im Gefolge der Landesherren und beim Militär zu Vermögen und Ansehen kamen, den Herren von Königsberg und den Herren von Weißpriach.
Dieser Familie entstammte auch Susanne (geb. 1528, Tochter des Hans von Weißpriach), die 1547 Christoph von Teufel (1517-1570) heiratete. Die Familie kam ursprünglich aus dem salzburgischen Lungau (nicht aus Kärnten!) und konnte gegen Anfang des 16. Jahrhunderts durch die Übernahme der Herrschaft Eisenstadt als Pfandbesitz einen beachtlichen Sprung in der Karriere machen. Dort in den von Ungarn seit 1491 an Österreich „verpfändeten“ Herrschaften erwiesen sich die Weißpriacher als engagierte Förderer der Reformation.
Und Susanne erwies sich als eine treue Tochter ihrer Familie, gerade was die Position gegenüber dem werdenden evangelischen Kirchenwesen anbetraf.
Vorerst jedoch gab ihre Mitgift ihrem Gatten die Möglichkeit, das Schloß in Krottendorf (heute Frohsdorf) auszubauen und zum neuen Sitz der Familie zu machen, wenngleich die Familiengrablage weiterhin in der Kirche zu Winzendorf verblieb. Susanne und ihr schon im Jahr 1570 verstorbener Gatte hatten drei Söhne, für die die Mutter noch durch einige Zeit hindurch die Vormundschaft führte, und auch nach Ende derselben sichtlich in konfessionellen Fragen den Ton angab.
Das in der Pfarrkirche zu Winzendorf erhalten gebliebene Epitaph der Susanne Teufel zeigt in seinem Mittelteil eine rund 95 cm im Quadrat messende Platte aus Sandstein mit dem Porträt der Verstorbenen.
In einer runden medaillonförmigen Vertiefung, die von vier kleinen Wappenschildern umgeben ist, ist ein Halbrelief der Verstorbenen ausgeführt. Die Dame trägt ein faltiges Obergewand mit langen Ärmeln, unter dem ein Untergewand zu erkennen ist; in den ineinandergelegten Händen hält sie Handschuhe; die Gugel, also die Kopfbedeckung der reifen und ehrbaren Frau, bedeckt ihr Haupt und schließt mit der Halsbinde das Gesicht ein. Ein eigenartig einseitiger Mund mit schmalen Lippen, volle Wangen, ein breiter Raum zwischen Nase und Mund sowie große Augen sind in dem lebensnah gezeichneten Porträt auffällig. Die anderen Teile des aufwendigen Erinnerungsmales in der Kirche, in der die Bestattung vorgenommen worden war, enthalten dann die notwendigen Angaben zum Leben und über die Trauer nach dem Tode.
Ein weiteres Denkmal der Erinnerung an sie ist ein – ausgerechnet im Wiener Neustädter Zisterzienserkloster aufbewahrtes – Stangenglas, das neben dem Wappen der Teufel und der Weißpriach jeweils Inschriften auf Christoph und Susanne Teufel in farbiger Emailmalerei enthält. Der Becher ist nach ihrem Tod angefertigt worden und trägt die Jahreszahl 1591.
Damals war in der dem Besitz der Teufel benachbarten Stadt Wiener Neustadt bereits durch den Bischof Khlesl alles evangelische Leben zum Erliegen gebracht worden. Den Bewohnern der Stadt blieb nichts als das „Auslaufen“, also der Besuch evangelischer Gottesdienste in nahegelegenen Kirchen. Und dazu gehörten die Kirchen von Winzerdorf und von Katzelsdorf.
Dort hat Susanne Teufel in dem ehemaligen Franziskanerkloster, dessen letzter Mönch im Jahre 1564 evangelisch geworden war, eine evangelische Schule eingerichtet und dafür einen Prediger angestellt. Obwohl Katzelsdorf keine Pfarre war, also auch keine Bestiftung mit entsprechenden Gütern aufwies, deren Ertrag den Unterhalt von Schulmeister(n) und Prediger gesichert hätten (das Kloster war als Bettelordenskloster auch kaum mit Vermögen ausgestattet), gelang es der Frau von Teufel doch, durch fast dreißig Jahre hindurch evangelische Einrichtungen in Katzelsdorf aufrecht zu erhalten.
Dass es ihr gelang, mit Friedrich Stock einen Prediger anzustellen, der auf Grund seiner theologischen Qualitäten weit über den engen Raum des südöstlichen Niederösterreichs hinaus Bedeutung erlangte, hat ihr bei dieser Erhaltung sicherlich geholfen, war es doch so, dass die Stände, zu deren theologischen Vertrauensmann Stock wurde, einen Teil seines Gehaltes bezahlten und auch zur Schule in Katzelsdorf einen Beitrag leisteten.
Nun gibt es keine direkten Äußerungen der Susanne von Teufel zu Fragen des Glaubens und des Bekenntnisses. Es lässt sich also nicht unmittelbar erkennen, was sie an ihrem Engagement für das Luthertum besonders bewegte. Es lässt sich lediglich erkennen, dass sie in ihren Herrschaften – aber auch in ihrer Familie – dafür sorgte, dass evangelische Predigt möglich war und auch besucht werden konnte. Allein für das Jahr 1579 fanden in Katzelsdorf fünf Trauungen von Paaren aus Wiener Neustadt statt. Ähnliches galt für den Schulbesuch. Die Herrschaftsbesitzerin vermochte die Existenz der Schule in dem ehemaligen Franziskanerkloster auch gegen alle Bemühungen des Ordens um Restituierung des Gebäudes erfolgreich zu verteidigen.
Als sie im Jahre 1590 verstarb, war bereits die Zeit der Gegenreformation angebrochen. Der seit 1588 tätige Bischof von Wiener Neustadt hatte schon zum Ende des ersten Jahres seiner Tätigkeit in der Stadt am Steinfeld die Läden von vierzig evangelischen Bürgern schließen lassen und fünfundzwanzig Personen aus der Stadt auszuweisen befohlen. Sie konnte also sehen, dass die Zeit, da man hoffen konnte, dass das Land unter der Enns evangelisch würde, vorbei war. Und gerade der Teil, in dem die Teufel beheimatet waren, war niemals ein besonderes Zentrum evangelischen Lebens gewesen. Das konfessionelle Bewusstsein war nicht sehr deutlich ausgeprägt; die Gründe sind nicht bekannt.
Und auch in der Familie der Teufel war das so. Susannes Sohn Hans Christoph, der zum Zeitpunkt ihres Todes gerade auf einer großen Reise durch den Orient war, von der er am 13. März 1591 nach Venedig zurückkehrte, konvertierte bald zum katholischen Glauben. Die Gottesdienststätte in Winzendorf konnte noch 1594 zur zeitweisen Beisetzung der in Wiener Neustadt verstorbenen Herzogin Elisabeth von Sachsen dienen, deren Epitaph auch noch erhalten ist, Katzelsdorf musste 1593 wieder dem Franziskanerorden übergeben werden, womit Friedrich Stock seine Anstellung verlor; 1609 wandten sich auch die noch südlich von Wiener Neustadt wohnenden Angehörigen der Familie Teufel dem Katholizismus zu.
War damit das Bemühen der Susanne Teufel vergeblich gewesen? Das ist eine Frage, die sich immer dann stellt, wenn das Zeugnis für Christus in irgendeiner Weise ohne Echo bleibt. Das ist rückschauend aber ebenso schwer zu beantworten, wie für jedes gegenwärtige Zeugnis für den Herrn. Historisch gesehen ist die evangelische Bewegung unter dem niederösterreichischen Adel gescheitert, welche Bedeutung sie für die Erhaltung der geistlichen Kirche, die nicht unbedingt an eine Konfessionskirche gebunden ist, hatte, kann wohl nicht festgestellt werden.
Hingegen kann durchaus gesagt werden, dass in einer Zeit, die angeblich den Frauen keine Möglichkeit öffentlicher Betätigung bot, Susanne von Teufel durch ihr Leben gezeigt hat, wie sehr doch auch durch Frauen Veränderungen, vor allem aber der Einsatz für die Sache des Evangeliums möglich war.
Das schöne Epitaph in der unlängst neu renovierten alten Pfarrkirche von Winzendorf beweist das.
Aus: Glaube und Heimat. Evangelischer Kalender für Österreich, Jg. 1992, Seiten 40-42.
Weblinks (Auswahl):
- https://de.wikipedia.org/wiki/Teufel_(Adelsgeschlecht)
- Markus JEITLER, Aufsteiger und Emigranten – Guntersdorf in der frühen Neuzeit (1476-1688) – Digitalisat: https://www.guntersdorf.at/pages_file/de/84/neuzeit.pdf
