Von Gustav REINGRABNER

Der österreichische Protestantismus der Reformationszeit war ganz stark durch die Verbindung mit politischen Fragen geprägt, innerhalb seiner Angehörigen erreichte aber die kulturelle Entfaltung eine beachtliche Höhe. Eben als dieser Protestantismus seine politischen Rechte und damit seine Machtstellung im Lande verlor, als er aus einer dominanten Religion zu einer bedrängten Religion wurde, da brach diese kulturelle Dimension erst recht durch. Historische Forschung und Dichtung waren die Gebiete, auf denen sich Adelige besonders zu profilieren vermochten. Zu diesen Adeligen gehört auch Hans Wilhelm von Stubenberg.

Er war inmitten der Wirren am Anfang des Dreißigjährigen Krieges, am 22. April 1619, in Böhmen geboren worden. Seinen Vater verlor er schon 1620 infolge eines kriegerischen Zwischenfalles. Die Familie kam in bittere Not. Ein Vetter gewährte Mutter und Sohn auf der eben in stubenbergischen Besitz gekommenen Schallaburg in der Nähe von Melk Zuflucht. Die Mutter verstarb, als Hans Wilhelm von Stubenberg eben 13 Jahre alt geworden war, in Sachsen. Er selbst vermochte als 22jähriger aufgrund einer familieninternen Vereinbarung die Schallaburg als seinen Wohnsitz und sein Eigentum zu übernehmen. Hier im Lande unter der Enns entfaltete sich seine Tätigkeit. Eine politische Betätigung war ihm verboten. Seit 1627 durfte es im Lande unter der Enns keinen evangelischen Prediger und keinen evangelischen Lehrer mehr geben. Die Pfarrstellen, die frei wurden, mussten mit Katholiken besetzt werden. Natürlich gab es immer noch Protestanten im Lande. Ein erster Versuch zur systematischen Bekehrung im Jahre 1630 war gescheitert. aber es war abzusehen, dass über kurz oder lang der Protestantismus im Lande keine Bedeutung mehr haben würde. Viele, die Karriere machen wollten, fanden wieder den Anschluss an die katholische Kirche, andere hatten das Land verlassen oder bereiteten sich auf eine Emigration vor. Als Angehöriger des Adels war Stubenberg vor den ärgsten Querelen verschont. So konnte er auch 1642 auf der Schallaburg in evangelischer Form seine Trauung mit einer Angehörigen eines steirischen Adelsgeschlechtes  halten. Freilich entstammte dieser Ehe nur ein Sohn, der 1643 geboren wurde.

Hans Wilhelm von Stubenberg übersiedelte 1658 nach Wien und verkaufte 1662 sein Eigentum, die Schallaburg. Eben als er versuchte, in Kittsee oder anderswo in Ungarn neuen Besitz zu erwerben, um wieder für sich eine Heimat zu finden, verstarb er am 15. März 1663. War ihm auch ein Wirken in der Öffentlichkeit verwehrt, so fand er Ersatz in den Kontakten mit Gleichgesinnten. Fast alle Nachrichten, die wir von ihm haben, weisen darauf hin, dass er es als seine Aufgabe ansah, angesichts seines Wohlstandes solche Kontakte unter evangelischen Personen und Edelleuten zu halten und zu pflegen, Geselligkeit und geistigen Austausch zu haben. Er war ein kultivierter Mann und er vermochte seine Kultur an andere weiterzugeben. So sind fast alle Gedichte, die Stubenberg geschrieben hat, Widmungsgedichte für Freunde und Bekannte; unter seinen Übersetzungen finden sich aber nicht nur theologische Traktate oder Arbeiten des Hugo Grotius, sondern auch der englischen Frühaufklärung. Sein Protestantismus war also offen für alle Anregungen. Er war Anreger vielfältiger Tätigkeiten in geistiger Hinsicht. Dabei war er durchaus im Protestantismus verankert; er besuchte, so gut es möglich war, die evangelischen Gottesdienste regelmäßig in Preßburg und Kittsee, er fand sein Grabmahl in Kittsee; leider ist es 1945 vollkommen zerstört worden. Er hat aber auch ob seines religiösen Bekenntnisses auf die Ausübung eines politischen Mandates verzichtet. 1657 bewarb er sich um die Steile eines Reichshofrates. Damals bedeutete man ihm, dass er eine solche bekommen würde, wenn er zum Katholizismus überträte. Daraufhin verzichtete er. Er scheint persönlich ein einfühlsamer Mann gewesen zu sein, einer, der die Seele eines Freundeskreises blieb, in dem religiöse Verankerung, bereits mehr war als standesgemäße Verpflichtung, und davon zeugen auch gar manche seiner Gedichte, von denen er eines seinem Vetter Otto Gallus von Rogunitz anlässlich dessen Hochzeit mit Sophie Gräfin Herberstein widmete; diese Hochzeit fand 1661 in Nürnberg statt und zeigt, dass damals der größte Teil der protestantischen Adeligen bereits die österreichischen Länder verlassen hatte.

Menschen fast den Wassern gleichen I
Wie die kommen aus dem Meer I
Und in selbes wieder streichen I
So kommt unser‘ Art auch her
Von dem Weib; und all auch wir
Wieder trachten nur zu ihr.

Was wir Männer tun und denken I
Meistens ist dahin gericht I
Ihre Gunst uns zuzulenken I
Lies, was Alt und Neu geschicht I
findest du I daß Heldenthat
meist besagten Ursprung hat.

Und wer kann uns drum verdenken I
Weil doch das erhält die Welt?
Uns der Himmel wollen schencken
Dadurch was uns drinn‘ gefällt?
Es zum Meisterstück gemacht I
Daß es von uns so geacht?

Drum hast du, mein Freund verfahren
Weislich I löblich I daß du dich
Nunmehr ehlich auch willst paaren I
Dir der Himmel mildiglich
Reichen Segen darzu geb I
Du und Deine glücklich leb!

Du hast klüglich dich versehen I
Jugend I Tugend I edles Blut
Ausgeklaubt I die ja vorgehen
Allem anderm eitelm Gut.
Ehstand ist da wohl bestellt I
Wo sich gleich und gleich gesellt.
Wie die harten Ankerspitzen.

Sturm und Wellen weichen nicht I

Wie der Türne starke Stützen
Keiner Winde Toben bricht I
So soll auch kein Hertzenleid
trüben Eure Hymensfreud!

Lebet lang und recht vergnüget!
Stützet unser altes Haus /
Seht, der Himmel selbst es füget /
Daß der Stamm treibt häufig aus
Junge Reiser / so viel Blüh‘ /
Als in langen Jahren nie.

 

Aus: Glaube und Heimat. Evangelischer Kalender für Österreich, Jg. 1982, S.33-35.