Braunau am Inn ist die bevölkerungsreichste Stadtgemeinde im Innviertel, Oberösterreich, und Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirks Braunau. Die Grenzstadt am Inn bildet mit der gegenüberliegenden deutschen Stadt Simbach am Inn in Bayern ein grenzübergreifendes Mittelzentrum. Weltweit bekannt ist Braunau als Geburtsort Adolf Hitlers,

Bald nach der Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther verbreitete sich auch im damals noch zu Bayern gehörenden Innviertel der evangelische Glaube. Der Rat der Stadt Braunau stellte evangelisch gesinnte Prediger ein, welche die Kommunion „unter beiderlei Gestalt“ (= Hostie und Wein für alle Gläubigen) reichten und (teilweise) deutschsprachige Messen einführten. Außerdem unterrichteten die Schulmeister nach Luthers Katechismus. Die Wittelsbacher Landesherrn tolerierten dies lange Zeit, doch um 1570 wurde Braunau im Zuge der Gegenreformation wieder römisch-katholisch.

1779 kam das Innviertel und damit auch die Stadt Braunau durch den Friedensvertrag von Teschen zu Österreich. Das Toleranzpatent von 1781 erlaubte daher auch hier Errichtung evangelischer Pfarrgemeinden, doch die Zahl der Gläubigen war für eine Gemeindegründung zu gering. Ihre pastorale Betreuung erfolgte durch die Evangelische Pfarrgemeinde Attersee.

1861 organisierte der aus Pforzheim eingewanderte Kaufmann Jakob Schönthaler die ersten evangelischen Gottesdienste in Braunau, ab 1862 den Bau einer evangelischen Kirche, die 1866 geweiht werden konnte, und förderte den Ausbau des Gemeindelebens auf vielfältige Weise. Bereits 1863 wurde in Braunau eine Filialgemeinde der Evangelischen Pfarrgemeinde Salzburg gegründet und 1899 genehmigte der Oberkirchenrat deren Erhebung zur selbständigen Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Braunau.

Ab 1944 erlebte die Pfarrgemeinde durch die Kriegsflüchtlinge zu einem starken Anstieg der seelsorglich zu betreuenden Personen (auf rund 10.000) – die meisten von ihnen zogen in den nächsten Jahren weiter. Ihr anfangs weitläufiges Territorium verkleinerte sich durch die Gründung der Pfarrgemeinden Schärding (1952), Ried im Innkreis (1953) und Mattighofen (1961).

 

Evangelische Kirche Braunau am Inn – Dankbarkeitskirche

Foto Anton Kurt, 2013. Aus Aus Wikimedia Commons
Foto Anton Kurt, 2013. Aus Aus Wikimedia Commons

Das Gebäude stammt aus 1624 und war ursprünglich ein Getreidespeicher des 1784 von Kaiser Joseph II. aufgelösten Kapuzinerklosters. 1862 erwarb Jakob Schönthaler die Liegenschaft und ließ das Objekt zu einer evangelischen Kirche umbauten. Die Kirchweihe fand 1866 statt. In den Jahren 1970 und 1971 erfolgte eine grundlegende Erneuerung des Gebäudes und die Kirche erhielt den Namen „Dankbarkeitskirche“.

Der Gottesdienstraum ist im 1. Stock. Die dortigen Passionsbilder stammen vom Linzer Künstler Prof. Johannes Schreiber (1922–2010);  die zwei moderne Glasfenster – eine Neuinterpretation der paulinischen Gegenüberstellung „Adam – Christus“ (Röm 5,12–21 LUT) – von Walter Riemer. Das Relief Im Treppenaufgang mit dem Motiv „Der verlorene Sohn“ ist eine Arbeit des Innviertler Bildhauers Rupert Rothböck. Das Kupferportal am Eingang verantwortete die Braunauer Künstlerin Resl Schröder-Lechner. Im Erdgeschoß befinden sich der Schönthalersaal – hier feiert die Pfarrgemeinde Gemeindefeste, Feierabendmahle, Schul- und Abend-Gottesdienste – und das Jakob-Stüberl – hier versammeln sich das Presbyterium, ein Gesprächskreis, der Frauenclub, die Kinder-Kirche und eine Selbsthilfegruppe.

Unter dem Titel Evang. Pfarrkirche A.B. (ehem. Schüttkasten) und Küsterhaus steht die Dankbarkeitskirche unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

 

Weitere Gottesdienstorte der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Braunau sind die Erlöserkirche in Mauerkirchen, die Gnadenkirche in Hochburg-Ach, die Auferstehungskirche in Riedersbach sowie der Gottesdienstsaal in Altheim und im Haus für Senioren Mauerkirchen.

 

Weblinks (Auswahl):

 

Literatur (Auswahl):

 

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