Gosau ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Gmunden im Traunviertel, und liegt im Gosautal, einem langgestreckten Seitental des oberen Trauntals. Die Region befindet sich im Inneren Salzkammergut, am Rande des UNESCO-Weltkulturerbes Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut. Gosau gehört zu den wenigen evangelischen Gemeinden in Österreich. Ca. 71 % der Einwohner sind evangelisch A.B.
Bereits um 1525 trat die evangelische Lehre zum ersten Mal in Gosau in Erscheinung. Protestantische Flüchtlinge aus dem ersten Deutschen Bauernkrieg hatten im abgelegenen Gosautal Zuflucht und neue Heimat gefunden. Im Laufe einer Generation verschwand der römisch-katholische Glaube bei der Gosauer Bevölkerung und um 1550 wurde der katholische Pfarrer durch lutherische Prediger abgelöst.
Ab 1597 versuchte Rudolf II. auch in dem direkt der Hofkammer zu Wien unterstehenden Salzkammergut die Gegenreformation einzuführen. Das führte zur Rebellion der evangelischen Gosauer, die im Februar 1602 von den Truppen des Salzburger Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau beendet wurde. Vom Oberösterreichische Bauernkrieg blieb das Salzkammergut zum Großteil unberührt. Die Mehrheit der Bevölkerung kehrte äußerlich zum Katholizismus zurück, doch begünstigt durch die Abgeschiedenheit des Tales blieb der Protestantismus hier trotz verstärkten Rekatholisierungsmaßnahme und der Transmigration von hartnäckig am „neuen Glauben“ Festhaltenden als sogenannte Landler in das Kronland Siebenbürgen unter Maria Theresia, in Form des Kryptoprotestantismus erhalten. Nachdem das Toleranzpatent am 26. Dezember 1781 in Gosau öffentlich verlautbart worden war, meldeten sich in den folgenden Wochen 1.053 Personen bei der Behörde als „Evangelische“, also praktisch die gesamte Bevölkerung des Ortes.
Gosau gehörte zunächst zum Pastorat Goisern, 1784 wurde die Errichtung einer eigenen Toleranzgemeinde genehmigt. Am 7. Oktober 1784 traf mit Julius Theodor Wehrenfennig der erste für Gosau bestimmte evangelische Pfarrer ein. Er war aus Regensburg gebürtig und wurde Stammvater des weitverzweigten Pfarrergeschlechtes Wehrenfennig.
Ebenfalls 1784 wurde das Toleranzbethaus gebaut und am letzten Sonntag nach Trinitatis eingeweiht. Rund 80 Jahre später wurde es abgetragen und bis 1869 die heutige Kirche nach den Plänen des Architekten Karl Hermann Wehrenfennig, einem Enkel des ersten Pfarrers, erbaut. Kirche, Pfarrhaus, alter und neuer Kindergarten, ehemalige Volksschule, Brigitta-heim und Haus Wehrenfennig befinden sich in unmittelbarer Nähe zueinander und bilden sozusagen ein „Kirchenviertel“.
Weitere Sehenswürdigkeiten:
Bauernhaus Riepler/Rieplgütl: Ein typisches „Salzkammergut Einhaus“. Es ist nicht nur als Baudenkmal interessant, sondern auch als Gedenkstätte für den Raxkönig Georg Hubmer, der hier 1755 geboren wurde, und den Protestantismus in Österreich. Georg Hubmer gehörte zu jenen Gosauer Holzarbeitern, die wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zur Auswanderung nach Niederösterreich gezwungen waren und die Pfarrgemeinden Mitterbach, Naßwald und St. Aegyd gründeten.
Siehe auch:
- Gustav REINGRABNER, Eine Wolke von Zeugen – Julius Theodor Wehrenfennig.
In: Glaube und Heimat. Evangelischer Kalender für Österreich, Jg. 1982, S. 35-36.
Weblinks (Auswahl):
- https://de.wikipedia.org/wiki/Gosau
- https://de.wikipedia.org/wiki/Gosau#Geschichte
- https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Pfarrkirche_Gosau
- https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Pfarrkirche_Gosau#cite_note-9
- https://www.evang-ooe.at/arbeitsbereiche/pfarrgemeinden?kirche=14&cHash=783c6d2d8f7fd156239c49aa938501a1
- Topothek – Suchbegriff Gosau
Literatur (Auswahl):
- Oskar SAKRAUSKY (Hg.), Evangelisches Österreich. Ein Gedenkstättenführer (Wien 1981) S. 41.
- Armin SANDHÖFNER, Evangelische Kirchen in Österreich. 40 aus 294 ein (subjektive Auswahl) Altäre / Kanzeln / Kuzifixe. S. 31-33 (Salzburg 2024) – https://ekioe.topothek.at/?doc=1762322 Bild 31-34.
- Armin SANDHÖFNER, Evangelische Kirchen in Oberösterreich. S. 33-35 (Salzburg 2024) – https://ekioe.topothek.at/?doc=1413411 Bild 41-43.
- Michael SCHIEBINGER, Sakralbau des Vormärz in Österreich zwischen josephinischer Kontinuität und Stilpluralismus. Band 1 von 2. (Diss. Universität Wien 2015) – http://othes.univie.ac.at/38945/1/2015-05-07_0702582.pdf – abgerufen am 10.10.2021.
